Strategien zur Biodiversität

Massnahmen zur Erhaltung und Ausweitung der Artenvielfalt auf Hof Waldenstein in 4229 Beinwil/SO

Von der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind ca. 10.5 ha Vereinbarungsflächen mit dem Kanton SO zum Schutz der artenreichen Wiesen- und Weideflächen (Mehrjahresprogramm des Kanton SO). Teile dieser Vertragsflächen sind im TWW- Inventar enthalten

Wiesenflächen

Regelmässige schonende Nutzung und Pflege der artenreiche Wiesenflächen.
Randzonen mit ungemähten Altgrasstreifen und Heckenstreifen als Einfassungselemente.
Asthaufen und Lesesteinhaufen ergänzen die Randzonen.
Die artenreichen Wiesenflächen werden in 4 Etappen in der Zeit von Juni-August gemäht um ein kontinuierliches Angebot an blühenden Pflanzen für die Insekten zu garantieren.

Weideflächen

Südostansicht der artenreichen Weidefläche mit 5,5 ha, die in 3 Etappen in den Jahren 2003-2006 während der Vegetationsruhe gerodet wurde.
Diese Fläche beherbergt 18 verschiedene Orchideenarten und diverse weitere seltene resp. geschützte Pflanzen.    
Diverse Kleinbiotope wie Asthaufen, Steinhaufen als Trittsteinbiotope mit einem Abstand von max. 50 m ergänzen diesen wertvollen Lebensraum.
Für diese Weidefläche wurde vorgängig der Rodungsarbeiten ein  Schutzkonzept für die Orchideenbestände, Enzianarten, Wildobstbäumen, Wacholder und die verschiedenen weiteren Sträuchern mit essbaren Früchten (Weissdorn, Schwarzdorn, Felsenbirne, Holunder etc.) erarbeitet.

Waldflächen

Im Jahre 2007 wurde eine Waldrandvereinbarung mit dem Amt für  Raumplanung SO , (Abt. Natur- und Landschaftsschutz) abgeschlossen, für einen (zunächst) 1.5 km langen Waldrandabschnitt. Dadurch konnte im Winter 2008 der Waldrand auf eine Tiefe von 30 m stark ausgelichtet werden. Dabei wurden vor allem die randständigen grossen Buchen und Tannen gefällt damit ein lichtoffener, gestufter und gebuchteter Waldrand entsteht. Ziel dieser Durchforstung des Waldrandes war u.A. eine bessere Belichtung des Eichen- und Eibenbestandes im Innern des Waldes. Zusätzlich wurden die bestehenden Orchideenstandplätze und die Reptilienstandorte aufgewertet.
Daraus resultierte eine starke In situ- Vermehung der Orchideenbestände ( u.a. Cephalanthrera rubra, Orhpis insectifera etc.)
Zusätzliche Asthaufen in der Randzone bilden weitere ergänzende Kleinbiotope.

Durch die Waldrandrodung konnte auch die bis dato umschlossene, stark verschattete und artenarme Waldweide  aufgewertet werden.
In dieser Waldweidefläche soll  in der Vegetationsruhezeit 2012/2013 durch weitere Massnahmen wie z.B. der Rekonstruktion eines Kleingewässers und der Schaffung von zusätzlichen Teichflächen eine Stablisierung des grossen Lurchenbestandes (Feuersalamander (Salamandra salamandra),Bergmolch (Ichthyosaura alpestris), Fadenmolch (Lissotriton helveticus), diverse Frösche, Unken und Kröten z.B.Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans )) erreicht werden.

Auch die übrigen Waldflächen auf dem Hof Waldenstein sind gekennzeichnet durch einen Vielzahl von unterschiedlichen Lebensräumen, von lichtoffenen Partien zu schattigen und von trockenen Lebensräumen zu feuchten Partien.

Streuobstwiese

70 alte Hochstammobstbäume mit z.T. regionalen Sorten
90 neue Hochstammobstbäume mit PSR- Sorten Pflanzung 2009- 2012
60 Nussbäume als Neuanlage mit versch.  Sorten Pflanzung 2010- 2011

Durch die Verbindung mit anderen Klein-Biotopen und Zusatzstrukturen konnte der ökologische Wert der verschiedenen Hochstamm-Obstwiesen verbessert werden:

  • feuchte Wiesenflächen, Bächränder und Tümpel als Laichgewässer für Lurchen und Amphibien und Lebensraum vieler Insektenlarven
  • verbunden mit artenreiche Hecken mit Krautsaum
  • und zusätzlichen Steinmauern, Steinhaufen
  • und Totholzhaufen

Verglichen mit neuen Anlagen zum intensiven Obstanbau sind diese Obstwiesen sehr vielfältig, geprägt durch mehrere Obstarten und -sorten, die als Hochstamm gepflanzt wurden und relativ robust sind. Meist stehen Bäume verschiedener Altersklassen unregelmäßig verteilt, wie gestreut, in den Wiesen. Das Erscheinungsbild dieser "Streuobstwiesen" ist deshalb weder monoton noch austauschbar. Jede Hochstammgruppe ist anders, ein jeweils individuelles Biotop welches das Landschaftsbild mitgestaltet.
Die räumliche Verteilung der verschiedenen Hochstammgruppen auf der Hoffläche macht sie zu hervorragenden Trittsteinbiotopen, die es sowohl Arten der Wälder als auch Arten des Grünlandes ermöglicht, größere Entfernungen zu überbrücken bzw. die Landschaft insgesamt zu besiedeln. Streuobstwiesen bieten über 5000 Tierarten eine Heimat. Eine extensive Bewirtschaftung ohne Düngung und ohne Gifteinsatz trägt darüber hinaus entscheidend zum Artenreichtum bei bzw. ist erst Bedingung, dass sich diese Vielfalt an Arten entfalten kann. Die Verbreitung der Obstgehölze auf der Hoffläche wird noch durch Obstbaumalleen (neu errichtete Nussbaumalle mit versch. Sorten) und Obstbaumreihen vervollständigt.
Charakteristisch am bestehenden Streuobst ist die Vielfalt von alten und auch lokalen Obstsorten.

Hecken

1,6 km Hecke, als lineares Biotop ausgebildet mit artenreichem Saumstreifen, Ast- und Steinhaufen.
Trennbereich zwischen der artenreichen Weidefläche und der Mähwiese mit regelmässiger Pflege und Rückschnitt.

2007-09 zusätzliche Pflanzung von beerentragenden Sträuchern und Bäumen in den Hecken. Erweiterung  der artenarmen Hecke zu einer artenreichen „essbaren Hecke“. (Der Beerenertrag wird zwischen den Bewirtschaftern und den Vögel geteilt.)

Fliessgewässer

Säuberung der Bachläufe von 3,6 km Länge von Bauschutt, Altmetallresten etc.
Bachrandgestaltung : Pflanzung von 60 Kopfweiden als künftiger Ersatz der alten Kopfweiden
Regelmässige Pflege der Bachränder mit  Rückschnitt der starken Verbuschung

Trittsteinbiotope

Um den Lebewesen die Wanderschaft zwischen den Habitaten zu erleichtern, sind vor allem Linienbiotope wie z.B. ein alter unbenutzter Erschliessungsweg als Ruderalfläche, verbunden mit ungemähten Wiesenrandstreifen, Rainen, Böschungen, Hecken, Alleen (z.B. mit 60 neuen Nussbäumen) oder Bach- und Wiesenränder  sehr wichtig. Sie sichern so manchen Arten (auch in den intensiv genutzten Flächen) das Überleben. Sofern die Distanzen zwischen diesen Biotopen für die Arten überwindbar sind, entsteht ein Biotopnetz, das den genetischen Austausch zwischen den Biotopen gewährleistet.

Werden die Distanzen zu groß, so bedienen wir uns  der Trittsteinbiotope. Dies sind Zufluchtsorte zwischen Biotopen oder Revieren. Auf unseren  Landwirtschaftsflächen erkennt man sie beispielsweise als kleines isoliertes Wäldchen oder als solitärer alter Birnbaum inmitten von Wiesenflächen. Solche Refugien dienen der Arterhaltung und stellen wichtige Elemente innerhalb eines Biotopverbundes dar, um wandernden Tierarten Unterschlupf zu gewähren. Art und Größe der Trittsteine richten sich nach den Tierarten, denen sie dienen sollen. Viele Trittsteine sind auch als Rastplätze für Zugvögel konzipiert und andere Trittsteine sind  als Brut- oder Laichplätze angelegt.

Auf der Hoffläche Waldenstein wurden in den letzen 10 Jahren über 85 Trittsteinbiotope mit einer max. Distanz von ca. 50 m realisiert: Hecken, Steinmauern, Totholzhaufen, kleine Teiche als Laichgewässer für Amphibien und Lebensraum vieler Insektenlarven, „essbare Blumenwiese“, etc.

Speziell wurden realisiert für:

Säugetiere
Nistmöglichkeiten an geeigneten Orten verteilt über die ganze Hoffläche. Zusätzliche Massnahmen  in Planung.

Vögel
120 beerentragende Sträucher aus hofeigenen Samen gezogen als Ergänzung der Hecken entlang der Wiesen und Weideflächen. Nistkästen.

Amphibien
Teichanlage in Kaskadenstufen mit unterschiedlichen Teichflächen und Wässerungswiesen, Realisierung Winter 2012/13

PDF:  Teichanlage in Kaskadenstufen für Arten der roten Liste CH

PDF:  Teichanlage von der Quelle bis zum Fluss

PDF:  Situationsplan der Teichanlage

Reptilien
Diverse Steinhaufen, Steinlinsen mit geschichtetem Unterbau, Sandflächen, Ruderalflächen mit Altgrasstreifen und Asthaufen.

Insekten
Insektenhotel als Untersuchungsobjekt bezüglich der Nistpräferenzen.

 

Legende

1 oaf extensive, artenreiche Wiese (ungedüngt, später geschnitten)
2 oaf extensive, artenreiche Wiese (ungedüngt, später geschnitten)
3 oaf arten- strukturreiche, extensive Weide
4 oaf extensive, artenreiche Wiese (ungedüngt, später geschnitten)
5 oaf extensive, artenreiche Wiese (ungedüngt, später geschnitten)
6 g Naturwiese gedüngt
7 oaf arten- strukturreiche, extensive Weide
8 g Naturwiese gedüngt
9 sp Beeren
10 g Naturwiese gedüngt
11 oaf Qualtiätshecke
12    oaf    Qualtiätshecke

PDF: Referenzrahmen für die Biodiversitätsstrategien auf dem Hof Waldenstein

PDF: Massnahmen zur Erhaltung und Ausweitung der Artenvielfalt auf dem Hof Waldenstein

PDF: Bio ist top für Biotope (106 KB)
PDF: Was bringt Artenvielfalt - Ein Argumentarium (1'795 KB)
PDF: Was bringt uns die Biodiversität? - Ein Argumentarium (225 KB)
PDF: BAFU - Landschaft unter Druck (3'167 KB)
PDF: Biotope, Biotopschutz, Biotop-Pflege (3'695 KB)
PDF: Faktenblatt - Biolandbau und Biodiversität (675 KB)